"In Südamerika lebt man eher mit dem Herzen als mit dem Kopf."

 

„Reiki ist mein Leben – mein Leben ist Reiki!“ Das sagt Vamzu-Jô, eine Reiki-Meisterin aus Santiago de Chile. Die gebürtige Deutsche (bürgerlicher Name: Ursula Franck), die nach Südamerika auswanderte, hat ein Reiki-Haus in der chilenischen Hauptstadt. Sie hält Reiki-Seminare in Lateinamerika und in Deutschland. Ein ganz besonderes Anliegen von Vamzu-Jô ist Reiki mit Schwerstkranken: Aids, Krebs-, MS- und Leukämiepatienten, insbesondere mit Kindern. Im Gespräch mit Dagmar Schneider-Damm gab sie Einblick in ihr Leben, ihren Weg zu und mit Reiki und ihre therapeutische Arbeit.



Als Sonntagskind erblickt Vamzu-Jô am 18. Juni 1944 in Karlsruhe das Licht der Welt. In Deutschland verbringt sie ihre Kindheit und Jugend. Bereits mit vier Jahren spürt sie eine gespannte Erwartung, dass „etwas Großes“ kommen werde. Doch weder Kindergarten noch Pubertät noch die spätere Heirat oder die Geburt der Kinder bedeuten dieses „Große“. „Es war Reiki!“ Nur zu gut kann sich Vamzu-Jô an dieses Gefühl des Nachhausekommens, des Erfüllens einer tiefen inneren Sehnsucht erinnern. Doch bis dahin mussten rund 40 Jahre vergehen.

Den Wunsch, Ärztin zu werden oder Kunst zu studieren, bescheiden Vamzu-Jôs Eltern, Inhaber einer Konditorei mit Café, abschlägig. „G’schafft wird!“ verlangen sie und spannen die Tochter im Betrieb ein. Im September 1978 wandert Vamzu-Jô, damals noch unter dem Namen Ursula, mit ihrem Ehemann, Diplomagraringenieur Adolf Franck, den drei Kindern Susanne, Alexander und Mark-Christian sowie acht Koffern nach Chile aus – ohne ein Wort des Spanischen mächtig zu sein. Auf einer Farm, eine Autostunde von der Hauptstadt Santiago de Chile entfernt, bauen die Francks Gemüse und Früchte an. Diese biologischen Erzeugnisse vermarktet Vamzu-Jô an der deutschen Schule und an der deutschen Botschaft in Santiago.

Sehnsucht nach etwas Großem


Eines Tages, Anfang 1988, geschieht es, dass Vamzu-Jô wieder einmal die Migräne plagt. „Na, kann ich mit Reiki helfen?“, fragt mitfühlend eine Kundin. „Nein, ich nehme keine Medikamente“, lehnt Vamzu-Jô ab. „Reiki ist Energie“, klärt die Kundin auf. „Nein danke, ich halte nichts von Scharlatanerie“, blockt Vamzu-Jô ab. Vier Wochen später. Wieder Migräne. Gleiche Situation. Gleiche Kundin. Anderer Dialog: „O.K. Dann probier’ ich halt mal dieses Reiki.“

Die enorme Wirkung, ein wie weggezauberter Kopfschmerz, überzeugt Vamzu-Jô. Sie spart eisern Geld zusammen und meldet sich zum ersten Grad Reiki an. „Ich hab’ dort geheult wie ein Schlosshund. So schön war es, endlich das zu finden, wonach ich immer gesucht habe, das „Große“.

Schnell ist er da, der Wunsch nach dem zweiten Grad. Nächtelang kocht Vamzu-Jô – ergänzend zur Arbeit am Tag in der Landwirtschaft und auf dem Markt – in der deutschen Klinik Marmelade ein, solange bis sie das Geld beisammen hat. Bereits nach dem ersten Grad hat sie Reiki-Behandlungen gegeben, dies intensiviert sich nach dem zweiten Grad. Eine Entwicklung, die für Ehemann Adolf unerträglich ist. Nach 21 Ehejahren stellt er das Ultimatum: „Reiki oder unsere Ehe.“

Reiki wird zum Lebensinhalt


Vamzu-Jô entscheidet sich und geht, nur mit der Wäsche auf dem Leib: „Reiki ist wichtiger.“ Ab diesem Zeitpunkt verlässt sie sich nur noch auf Reiki. Getragen von einem tiefen Vertrauen beginnt sie ihre hauptberufliche Tätigkeit als Reiki-Therapeutin: „Und seitdem hat mich Reiki immer getragen und ernährt. Sorge dich nicht und vertraue in Reiki, und das Leben bringt dir alles, was du benötigst!“

Bei einem mehrwöchigen Besuch zur Jahreswende 1989/90 in Deutschland bei der in Stuttgart lebenden Mutter hinterlässt Vamzu-Jô in einer esoterischen Buchhandlung ihre Visitenkarte und bietet Reiki-Behandlungen an. Eine „zufällig“ anwesende Kundin bucht spontan Sitzungen und vermittelt den Kontakt zu einer deutschen Reiki-Meisterin. „Ich wollte einfach einmal einen Reiki-Kurs in meiner deutschen Mutersprache erleben“, so Vamzu-Jô, die mittlerweile fließend spanisch spricht. Das intensive Sein mit Reiki in Chile und in Deutschland lässt den Wunsch nach Reiki-Meisterschaft entstehen.

Und so verlässt Vamzu-Jô als Reiki-Meisterin Deutschland und beginnt im Februar 1990 mit ihrer Seminartätigkeit in Südamerika. In Chile, Mexiko, Argentinien, Uruguay, Peru und in Deutschland hält sie mittlerweile Reiki-Kurse. Der Schwerpunkt liegt in ihrem eigenen
Reiki-Haus, in der 5,5 Millionen Einwohner großen chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile – mit Blick auf die Gipfel der Kordillere.

Bewegende Erfahrungen


Vamzu-Jôs jüngster Schüler war der vierjährige Thomy, der als schwerkranker Leukämiepatient zu Reiki kam. Heute präsentiert sich der Junge elfjährig, voll Lebensfreude, Kraft und Ehrgeiz. Bei Kinder-Motorradrennen räumt Sieger Thomy regelmäßig die Preisgelder ab und spendet sie leukämiekranken Kindern. Vamzu-Jôs ältester Schüler ist ein 98jähriger Mexikaner, der gemeinsam mit seiner 70jährigen Tochter zum ersten Reiki-Grad erschien, rüstig und locker den ganzen Kurs durchhielt, auf dem Boden saß und fleißig mitübte.

Vamzu-Jôs beeindruckendste Patientin ist die neunjährige aidskranke Sofia in Mexiko. Eines Tages rief ein Arzt bei Vamzu-Jô an und bat um Hilfe für seine todkranke Tochter. 40 Grad Fieber seit Wochen, doppelte Lungenentzündung, Leber- und Herzschädigungen, Ausschläge an Mund und Füßen, starke Gewichtsabnahme – so fanden Vamzu-Jô und ihre mexikanische Reiki-Meisterkollegin Cristina Aguilar die kleine Sofia. Bereits bei der ersten
Reiki-Behandlung hustete das Kind enorme Schleimmengen ab. Am nächsten Tag verschwand der Ausschlag, das Fieber ging auf 38 Grad zurück, Sofia konnte sich aufsetzen und wollte spielen.

Kommentar des Vaters über Reiki: „Unglaublich.“ Erst zu diesem Zeitpunkt gestand der Mediziner den Reiki-Meisterinnen, was er aus Scham und aus Angst vor Zurückweisung verschwiegen hatte: „Sofia hat Aids, erworben als zwei Tage altes Baby durch eine ’verseuchte Blutkonserve’.“ Der Vater und eine Tante belegten sofort Reiki I und übernahmen Sofias weitere Behandlung. Erfolg: Sofia ist nun seit zwei Jahren wieder in der Schule, nie krank und weist ein gutes Blutbild auf.

Mediziner entdecken die Wirkung von Reiki


Sofias Fall erregte in mexikanischen Medizinerkreisen so starkes Aufsehen, dass auf Anhieb 16 Ärzte einen Reiki-Kurs buchten. Überhaupt registriert Vamzu-Jô in Mexiko eine sehr große Offenheit für Reiki bei Medizinern. 40 Prozent aller Kursteilnehmer/ innen sind Ärzte, Zahnärzte, Hebammen oder Krankenschwestern. Manche Kurse bestehen zu 100 Prozent aus Medizinern, insbesondere Anästhesisten sammeln gute Erfahrungen zur Beruhigung vor Operationen und hinterher als Aufwachhilfe: „Nach der Narkose kommt der Patient schneller wieder zu sich.“

Mexikanische Zahnärzte berichten Vamzu-Jô, dass Reiki einen weitgehenden Verzicht auf Schmerzmittel und auf das Nähen von Zahnfleischwunden erlaubt: „Die Wunden heilen besser und schneller, Schwellungen kommen dank Reiki kaum noch vor.“ Durch zahlreiche Erfahrungsberichte von mexikanischen Reiki-Schülern, die als Unfallärzte arbeiten, erhielt die chilenische Reiki-Meisterin Kenntnis, dass Unfallopfer nach Reiki-Behandlungen eine schnellere Abschwellung der verletzten Körperpartien erleben und somit raschere
OP-Eingriffe möglich sind.

Nach einem Reiki-Kurs mit Ärzten in Mexiko kann es durchaus sein, dass alle Teilnehmer zusammen mit Vamzu-Jô in die Klinik fahren und auf der Intensivstation den schwerkranken Patienten gemeinsam Reiki geben. Nicht nur in Mexiko, auch in Chile und in anderen lateinamerikanischen Ländern beobachtet Vamzu-Jô eine große Offenheit für Reiki. Ihre Erklärung: „In Südamerika besteht eine größere Verbundenheit nach unten, zur Mutter-Erde, und zugleich nach oben, zum Spirituellen und Mystischen.“

In Südamerika lebt man mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf. Dies gilt laut Vamzu-Jô auch für Ärzte, die ein sehr großes Interesse und eine hohe Akzeptanz für Reiki zeigen: „Es ist für mich überhaupt kein Problem, Reiki in die Kliniken zu bringen.“ Vamzu-Jô kann jederzeit auf Wunsch von Patienten oder Angehörigen in Kliniken Reiki geben. In Chile bot sie eine Zeitlang ein spezielles Projekt für Krankenschwestern an und gab dem medizinischen Personal regelmäßig Reiki: „Die Schwestern, die sehr beansprucht sind, nahmen die Behandlungen begeistert an.“

Bei ihrer Arbeit mit Krankenhauspatienten, medizinischem Personal, aber auch in
Reiki-Kursen für Ärzte in Südamerika ist Vamzu-Jô sehr klar in ihrem Auftreten und in ihren Aussagen: „Ich plädiere für ein harmonisches Miteinander der Schulmedizin und der alternativen Heilkunde zum Wohle der Patienten.“ Dazu gehört auch die Feststellung, dass Reiki keinesfalls den Besuch beim Arzt ersetzt. „Der Appell an den gegenseitigen Respekt, an die Toleranz und an das Verantwortungsbewusstsein und die überwältigenden Erfahrungen mit Reiki bewirken in Südamerika großes Vertrauen der Mediziner in Reiki“, berichtet Vamzu-Jô aus ihrer nun bald zehnjährigen Arbeit.

Immer wieder staunen die Ärzte über die wunderbare Heilkraft von Reiki. In Lateinamerika ist es auch normal, dass Patienten und Ärzte aufgrund der positiven Erfahrungen mit Reiki weitere Arztkollegen oder Patienten zu Reiki bringen. So wie im Fall der aidskranken Sofia. Oder im Fall des leukämiekranken Thomy, der über Jahre hinweg kontinuierlich Reiki von Vamzu-Jô, den Eltern, zwei Tanten und der Oma erhielt.

Einmal, als es auf Messers Schneide stand und die Ärzte mit Thomys Tod rechneten, schickten Vamzu-Jô und die Reiki-Notfallkette eine ganze Nacht lang Reiki. Thomy überlebte und gilt heute mit elf Jahren als geheilt – zum Erstaunen der ganzen Klinik in Santiago.

Erfahrungen mit Sterbebegleitung


Auch die Sterbebegleitung mit Reiki ist eine Aufgabe für Vamzu-Jô. Nach ihrer Beobachtung in Kliniken reduziert Reiki den Schmerzmittelverbrauch, fördert die Offenheit zwischen Patient und Angehörigen und ermöglicht das Loslassen und einen schnelleren Tod: „Insbesondere für sterbende Kinder ist Reiki ein Segen.“ Das erfuhr Vamzu-Jô bei dem zweijährigen an Hodenkrebs erkrankten Joachim und bei dem zweijährigen leukämiekranken Esteban, deren qualvolles Sterben kurz nach der Reiki-Behandlung beendet war. So konnte auch ein vierjähriges an Down-Syndrom, Leukämie und schwerer Lungenentzündung erkranktes Kind nach Reiki-Behandlungen auf Morphium verzichten und aus der Klinik entlassen werden, um friedlich daheim in den Armen der Mutter zu sterben.

Bei einem chilenischen Ehepaar bewirkte Reiki eine ganz neue Erfahrung der Ehrlichkeit, der Fähigkeit, über den bevorstehenden Tod der Ehefrau zu sprechen. Nach einem langen Gespräch und dem Abschied konnte die Frau ohne Kampf loslassen und in Ruhe sterben. „Reiki geschieht in der Stille. Aber bei der Sterbebegleitung ist oftmals auch das Gespräch wichtig, um Patienten und Angehörige zur Erkenntnis und zur Klarheit zu führen“, so
Vamzu-Jô.

Vamzu-Jôs beeindruckendstes Erlebnis mit Reiki und dem Thema Sterben war die Begegnung mit der Krebspatientin Gabriele. Eine Reiki-Schülerin hatte Vamzu-Jô gebeten, zu ihrer sterbenden Schwester in die Klinik zu gehen. Die Tumorkranke, über und über mit Metastasen gehaftet, wollte auf dem Totenbett unbedingt Reiki spüren und in den ersten Grad eingeweiht werden. Vamzu-Jô erfüllte Gabriele diesen Wunsch und verabschiedete sich dann von der Sterbenden. Nach acht Monaten klingelte es in Santiago an Vamzu-Jôs Haustür: Gabriele. „Reiki, du und der Wunsch, meine Kinder großzuziehen, haben mich ins Leben zurückgebracht“, berichtete die strahlende Gabriele, deren Tumore sich – zum Erstaunen der Ärzte – über Nacht verkapselt hatten und ruhten. Nach der Einweihung in Reiki lebte Gabriele noch viereinhalb Jahre.

Reiki wirkt immer


Vamzu-Jô arbeitet auch mit Delphinen. Im weltbekannten ökologischen Naturpark Xcaret im Mexikanischen Badeort Cancun rief man sie zur Reiki Behandlung für kranke Delphine. „Das Annehmen von Reiki, die Intelligenz und Sensibilität der Delphine waren eine sehr tiefe Erfahrung.“

In ihrer Arbeit mit Reiki-Schülern betont Vamzu-Jô auch, dass Reiki immer eine Wirkung hat, wenn auch oftmals eine andere als erwartet. „Der einzige Fall, wo gar nichts passiert, ist, wenn man Reiki nicht anwendet.“ Als Abschied gibt sie Reiki-Neulingen immer folgendes mit auf den Weg. „So. Jetzt beginnt der eigentliche Reiki-Kurs. Nämlich dein Weg mit Reiki. Im Leben gibt es nur eine Aufgabe: Wachstum. Reiki ist dazu ein Werkzeug. Nutze es!“









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