Es gibt so viele wundervolle Dinge

Ein Interview mit Wanja Twan, Teil 2

 

In der letzten Ausgabe haben wir den ersten Teil des Interviews mit Wanja Twan, die noch von Hawayo Takata eingeweiht worden ist, über ihren Weg zur Reiki-Meisterin gedruckt. In dem zweiten Teil erzählt uns Wanja noch einige ihrer »Reiki-Geschichten« und gibt Tips für alle Reiki-Praktizierende.

Gibst Du in Deinen Reiki-Kursen besondere Ratschläge?


In allen Kursen ermuntere ich die Teilnehmer, über die Lebensregeln nachzudenken und in ihre Hände hineinzuspüren. Und wenn einige Teilnehmer sich untereinander kennen, schlage ich manchmal vor, daß sie sich als Gruppe wiedertreffen, denn während eines Reiki-Kurses kommen sich die Menschen sehr viel näher als zum Beispiel in einem Zeichenkurs. Und da sie zusammen begonnen haben, ist es schön, wenn sie sich regelmäßig im Abstand von einigen Wochen treffen, sich ein wenig Reiki geben und sich austauschen. Oft erinnert sich eine Person an eine Sache, eine andere an etwas anderes. Heilkreise können auch sehr schön sein, wenn es im Rahmen der Möglichkeiten liegt - das machen übrigens sehr viele.

Hast Du auch Erfahrungen mit Heilkreisen gemacht? Wie waren Deine Heilkreise?


Sie waren nicht so, wie mancher es erwartet hätte. Viele hatten sich das nett und ruhig vorgestellt, in aufgeräumter Umgebung und mit Kerzen und weißem Tischtuch. Aber unsere Heilkreise waren ziemlich hektisch. In unserem Haus ging es zu wie auf einem Bahnhof. Manchmal kamen sieben, manchmal 35 Leute. Zum Teil kamen sie auch von weit her und blieben über Nacht. Es kamen auch Menschen, die kein Reiki hatten und Hilfe suchten. Meistens redeten und behandelten wir zur gleichen Zeit. Ich erinnere mich auch, daß Leute ihre Kinder mitbrachten. Sie hielten sich in der Küche auf und waren nicht gerade ruhig. Und es liefen Hunde und Katzen umher, die natürlich unter dem Reiki-Tisch liegen wollten.

Ich erinnere mich, daß wir alle um einen Reiki-Tisch herum saßen, denn es war kein Platz für mehrere Tische. Und die Gespräche wehten über den Körper hinweg, den wir behandelten. Eine Gruppe von drei oder vier Leuten diskutierte über das Buch, welches sie gerade gelesen hatten und auf der anderen Seite fragte jemand, was er bloß mit den Zucchinis machen solle, die er im Keller hatte. Dann wurden Rezepte ausgetauscht, und an den Füßen erzählte ein Mann etwas vom Holzfällen.

Was ist für Dich das größte Geschenk in Verbindung mit Reiki?


Ich mag das Praktische daran. Meine Nachbarn beispielsweise bemerkten, daß meine Hühner im Frühjahr schon so schön und glänzend aussahen, normalerweise sind sie in dieser Jahreszeit noch ganz schmuddelig. Als ich Reiki hatte, hielt ich das Korn erst eine Weile in meiner Hand, dann warf ich es ihnen hin, hielt meine Hände aber noch ein wenig über sie. Sie blühten richtig auf, und die Nachbarn fragten: »Hey, was hast Du denn mit Deinen Hühnern gemacht?«

Kennst Du noch eine Reiki-Geschichte?


In unserer Gemeinde lebte eine ältere Dame aus Deutschland. Sie machte den I. Grad und war eifrig dabei. Dann wollte sie unbedingt den II. Grad machen, aber ihr Mann war nicht sonderlich begeistert von dieser Idee, denn er fand es ziemlich teuer. Sie wußte nicht, was sie machen sollte. Eines Tages saß er da und las seine Zeitung. Es war kurz vor Weihnachten, und sie hatte eine von diesen Hyazinthen, welche die Angewohnheit haben, manchmal den Kopf hängenzulassen. Zuerst stand sie noch ganz gerade in ihrem Topf, aber urplötzlich war sie in sich zusammengesunken. Als die Frau die Hyazinthe so ansah, kam ihr die Idee, ihr Reiki zu geben. Sie legte ihre Hände um den Blumentopf und fühlte plötzlich, wie der ganze Topf vibrierte. Ihr Mann saß hinter seiner Zeitung und schaute ab und zu, was sie da machte. Seine Augen wurden immer größer, denn ganz langsam richtete sich die Blume in ihrem Topf auf und stand schließlich kerzengerade. Da ließ der Mann seine Zeitung sinken und sagte nur: »Du kannst machen, was immer Du willst. Was Du auch für einen Kurs machen willst, Geld spielt keine Rolle!«
Wanja Twan

Reiki bringt Dich weiter, und etwas Neues kann sich entwickeln. Wie ist Deine Erfahrung?


Manchmal ändert sich unser Leben sehr schnell. Wir lebten zum Beispiel früher auf einer Farm, und nachdem ich Reiki-Meisterin geworden war, zogen wir plötzlich um. Ich fand mich ich einer kleinen 600-Seelen-Gemeinde wieder. Ich zog von einer Gegend, in der ich 25 Jahre gelebt hatte, in eine völlig neue Region mit neuen Bedingungen und neuen Lernaufgaben.

Es kann auch sein, daß sich unsere Weltanschauung ändert. Um die Menschheit in ihrer Komplexität zu verstehen, müssen wir manchmal Religionen oder Gedankensysteme praktizieren, um wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen. Und mit dem Verständnis kommen schließlich Frieden, Harmonie und Gerechtigkeit. Es ist ein großartiges Gefühl, auf diese Weise die Erde zu heilen, wenn man es so ausdrücken will.

Du hast demnach ein tiefes Vertrauen in Reiki?


Nun ja, ich habe auch ein tiefes Vertrauen in das Leben. Reiki ist einfach gut. Ich habe im Laufe der Zeit so oft die Bestätigung erhalten. Sogar Ärzte sagten mir, daß es den Patienten nach einer Behandlung entweder körperlich besser geht, oder daß etwas auf der geistigen Ebene geschieht. Die Patienten seien zum Beispiel glücklicher, was wiederum Veränderungen nach sich zieht. Niemand bleibt unverändert nach einer Reiki-Behandlung. Reiki fördert sozusagen das Leben.

Und Du hast ein Buch geschrieben?


Aus dem gleichen Grunde, aus dem ich die Videos gemacht habe. Ich dachte, ich müsse mich einmal hinsetzen und meine Erinnerungen aufschreiben, wo es für mich begann, wie Frau Takata in mein Leben trat, wie andere Menschen und Lehrer in meinem Leben auftauchten, nachdem ich Reiki gelernt hatte, und wie wir voneinander gelernt haben. Es ist offensichtlich, daß es da eine Verbindung gibt!

Es ist ein Buch über mein Leben, wie es sich nach und nach entfaltete, als verschiedene Dinge mit Reiki passierten. Und es handelt von meinen weitreichenden Erfahrungen, die ich allerdings nicht von meinem alltäglichen Leben trennen kann. Es ist also keine »Reiki-Gebrauchsanweisung«.

Du führst ein richtig glückliches Leben mit Reiki?


Ja, zusammen mit meiner Familie. Frau Takata sagte: »Zuerst kommt die Familie. Erhalte Deine Familie und Dich selbst gesund, und dann Deine Nachbarn und Freunde. Und wenn es Dir möglich ist, noch darüber hinaus etwas zu tun, ist es wundervoll!« Aber sie sagte auch: »Wenn Deine Familie gesund ist, was kannst Du Dir Schöneres wünschen?« Und dem stimme ich zu.

Bist Du immer offen für Veränderungen?


Ja, sie können ganz plötzlich geschehen. Ich nehme meine Rolle an - das kann zum Beispiel so aussehen, daß ich ein Ticket kaufe, in ein Flugzeug steige, von dem ich annehme, daß es an einem bestimmten Ort landet, und mich schließlich ganz woanders wiederfinde. Genauso ist es mir passiert, und genau dort wurde ich gebraucht. Ich nehme das Leben von der praktischen Seite, ich wage mich vor, und dann kommt das Leben mir entgegen. Ich riskiere einige Schritte, und dann ergeben sich die Dinge, aber ich muß auch meinen Teil dazu beitragen.

Welchen letzten Rat würdest Du geben?


Praktiziere Reiki in seiner einfachsten Form. Lege einfach Deine Hände auf und bleibe bei den Handpositionen, die Du gelernt hast. Ich praktiziere noch immer so, wie Frau Takata es mir gezeigt hat - genauso wie sie es ausübte. Meine Überlegung war, daß sie schließlich schon 45 Jahre so praktiziert hatte und ihr Lehrer ebenfalls viele Jahre. Nun praktiziere ich auch schon 20 Jahre so, das macht insgesamt 70 bis 80 Jahre Erfahrung. Es hat die ganze Zeit gut funktioniert - warum sollte man etwas ändern?

Ich behalte es in dieser Form bei. Wenn Du ständig etwas mit Deinen Händen tust, geht es bald wie von selbst, so daß Du gar nicht mehr darüber nachzudenken brauchst - Deine Hände kennen die Positionen und legen sich automatisch so auf, wie man es ihnen beigebracht hat und es geht alles ganz leicht und einfach.

Und dann denke an die Lebensregeln. Während der Behandlung können auch die Leute, die Du behandelst, denken: Gerade heute ärgere Dich nicht. Gerade heute sorge Dich nicht. So haben sie etwas zu tun während der Behandlung. Auf diese Art wird die Energie Licht bringen und das Licht bringt wiederum Klarheit. Es ist genau, wie Frau Takata immer gesagt hat: »Hände auf, Reiki an. Hände weg, Reiki aus.« Ganz einfach.

Vielen Dank für das Interview!


Ich danke Dir!

Das Gespräch führte Dagmar Schneider-Damm.
Es wurde übersetzt von Birgit Maack.