Klein, aber oho! - Kinder entdecken Reiki

Daß Reiki nicht nur etwas für die großen, sondern auch für die kleinen Leute ist, hat wohl schon jeder festgestellt, der einem Kind Reiki gegeben hat. Kinder sind meist offen für die Reiki-Energie und können sie annehmen, ohne viele Fragen zu stellen. Allerdings kommen viele Kinder(-seelen), so wie die Erwachsenen, auf den Geschmack und wollen selbst Reiki lernen. Eine ganze Reihe von Reiki-MeisterInnen führen deshalb, auf Wunsch der Kinder und ihrer Eltern auch Reiki-Seminare für Kinder durch. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Fragen gestellt, die die Redaktion des Reiki Magazins, stellvertretend für viele Interessierte, an den Reiki-Meister Harald Kiesewalter weiterleitet. Er wohnt nördlich von Hamburg in Nützen bei Kaltenkirchen und ist Vater einer 12jährigen Tochter.

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Reiki Magazin: Harald erzähl doch einmal, wie Du dazu kamst, auch Kinderseminare durchzuführen!

Harald Kiesewalter: Mein erstes Erlebnis mit Kindern und Reiki machte ich bereits im Oktober 1987, während meines I. Grad-Seminars bei Klaudia Hochhuth. Am Freitag bekam ich meine erste Einweihung. Als ich am Samstagmorgen wieder zum Seminar wollte, fiel meine damals eineinhalbjährige Tochter Nicole mit der Stirn auf eine Holzleiste. In Sekundenschnelle wuchs ihr eine mit Blut gefüllte Beule. Ich legte spontan meine Hand auf die schmerzende Stelle und bemerkte, daß die Beule immer kleiner wurde. Nicole schaute mich erstaunt an, als sie merkte, daß der Schmerz nachließ und nach etwa fünf Minuten lediglich eine leichte Hautverfärbung auf den Bluterguß hinwies.

Dieses für mich damals spektakuläre Erlebnis mit Reiki, dem ich gleich vom ersten Tag meiner Einweihung an einen tiefen Glauben in die Kraft von Reiki verdanke, hatte also bereits mit einem Kind zu tun. Seit dieser Zeit habe ich nicht nur Nicole, sondern vielen anderen Kindern Reiki gegeben. Seit meiner Reiki-Meisterschaft 1991 stellten mir immer wieder Kinder die Frage, ob sie auch Reiki lernen könnten. Auch viele von Reiki überzeugte Eltern wünschten sich für ihre Kinder die Einweihung in den I. Grad. Ich versprach ihnen, irgendwann einmal auch einen Kinderkurs durchzuführen. Im Oktober 1993, also genau sechs Jahre nach meiner ersten Einweihung, fanden der erste und einen Monat später bereits der zweite Kinderkurs statt.

Reiki Magazin: Wie läuft der Kurs ab, und wie alt sind die Teilnehmer?

Harald Kiesewalter:
Zunächst ist es wichtig, das Vertrauen der Kinder zu mir und zur Gruppe aufzubauen. Da ein Elternteil das Kind begleiten darf, kommt erst gar keine Angst bei den Kindern auf. Auf einer großen Plakatwand, die anschließend an die Wand gehängt wird, schreiben die Kinder allein oder mit Hilfe ihre Namen im Kreuzworträtselstil auf. Damit wird symbolisiert, daß jeder ein Teil der Gruppe ist. Zu seinem Namen malt jeder etwas oder klebt Punkte zu Bildern.

Danach ist das Eis gebrochen, und ich erzähle den Kindern die Reiki-Geschichte. Je nachdem wie alt sie sind, agieren sie dabei selbst mit oder nicht. Mein jüngster Reiki-Schüler war gerade vier Jahre alt. Ab 14 Jahren gehen die Kinder in den Erwachsenenkurs. Den kleineren Kindern spiele ich die Geschichte mit Handpuppen in einem Kasperle-Theater vor. Der Schein einer Glühbirne, die dreimal an- und ausgeschaltet wird, steht für die Symbole, von denen Dr. Usui getroffen wurde. Die etwas größeren Kinder dürfen unter Anweisung mitspielen. Diese Vorgehensweise bereitet den Kindern viel Spaß und bringt ihnen die Geschichte von Reiki nahe.

Reiki Magazin: Wie erklärst Du den Kindern das sehr abstrakte Thema der Energie?

Harald Kiesewalter: Ihre eigene Energie erfahren die Kinder durch kinesiologische Übungen und anhand von Ki-Übungen aus dem Aikido. Das ist für alle Kinder sehr beeindruckend, und viele Eltern haben mir am nächsten Tag erzählt, daß sie die Übungen abends mit ihrem Kind machen mußten. Nachdem die Kinder ihre eigene Energie gespürt haben, erfahren sie die Kraft von Reiki, die man zwar anhand von Beispielen verdeutlichen kann, aber die nur zu spüren und nicht zu erklären ist.

Reiki Magazin: Wie verhalten sich die Kinder bei den Einweihungen?

Harald Kiesewalter: Vor der ersten Einweihung erkläre ich ihnen genau, was sie zu tun haben und führe ihnen vor, wie laut ich während der Einweihung puste. Das finden sie lustig, und niemand erschrickt anschließend. Da die meisten Kinder noch nicht in der Lage sind, für drei bis vier Minuten die Hände über ihrem Kopf zu halten, unterstützt sie meine Frau Margret dabei.

Die Kinder sind sehr andächtig bei der Sache. Es belustigt mich, wenn ich sie dabei ertappe, daß sie nicht die Augen geschlossen haben, sondern etwas blinzeln. Dann gebe ich ihnen ein Zeichen, daß ich es bemerkt habe, und sie kneifen ihre Augen wieder fest zu.

Reiki Magazin: Hattest Du einmal ein besonderes Erlebnis während der Einweihungen?

Harald Kiesewalter: Ich erinnere mich an einen Jungen, der einen großen Teil des Tages bei seinen Großeltern verbrachte und eine innige Beziehung zu ihnen hatte. Als die Großeltern innerhalb weniger Wochen nacheinander starben, war er so traurig, daß er seiner Mutter sagte, er wolle zu Oma und Opa in den Himmel, und er verlor alle Lebensfreude. Bis zur ersten Einweihung spürte ich die Trauer, die auf ihm lastete. Während der ersten Einweihung begann der Junge, laut zu lachen und war danach nicht mehr wiederzuerkennen. Das hat mich sehr glücklich gemacht.

Reiki Magazin: Die Zeit zwischen den Einweihungen kann doch für Kinder sehr lang werden. Was machst Du mit den Kindern, damit sie sich nicht langweilen und die Gruppenenergie erhalten bleibt?

Harald Kiesewalter: Ich achte darauf, daß die Kinder dynamische Phasen haben, in denen wir z. B. trommeln und tanzen. Oder sie spielen ihr Krafttier vor, und die anderen müssen es erraten. Nach dem gemeinsamen Mittagessen, bei dem die Eltern auch wieder dabei sind - die Kinder haben sie nämlich meist vorher in einen anderen Raum geschickt -, haben wir eine Ruhephase.

Dabei spiele ich ihnen einige Stücke aus den beiden CDs vor, die ich besprochen habe und die mit wunderbarer Musik von Michael Heidmann und Andreas Weimer untermalt sind. Da es Meditationen und Geschichten sind, die ich meiner Tochter in den letzten zehn Jahren abends mit Erfolg zum Einschlafen erzählt habe, verfehlen sie ihren Zweck auch nicht: Noch so unruhige Geister werden ganz ruhig und schlafen ein.

Reiki Magazin: Haben die Kinder denn schon die Geduld für Reiki-Behandlungen?

Harald Kiesewalter: Es ist erstaunlich, mit welcher Geduld und Andacht auch schon kleinere Kinder sich gegenseitig Reiki geben. Ich zeige ihnen zwar alle Reiki-Positionen, allerdings halten sie noch nicht drei bis vier Minuten pro Position durch.

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In einem Seminar war ein kleiner behinderter Junge, den ich ganz besonders in mein Herz geschlossen hatte. Er litt unter einer Muskelerkrankung und saß im Rollstuhl. Er bestand darauf, mir zum Ende des Seminars Reiki zu geben. Dazu mußte seine Mutter ihn auf den Schoß nehmen.

Für mich ist es immer ganz besonders schön, wenn die vielen kleinen Hände auf mir liegen. Dann spüre ich: »Es hat wieder geklappt!« Und bin dankbar dafür, daß ich es sein durfte, der diese jungen Menschen auf den Reiki-Weg bringen durfte.

Reiki Magazin: Vielen Dank für dieses Gespräch und viel Spaß bei Deinen weiteren Kinderkursen.