Laß dich nicht von dir ablenken!

Unsere Fastfood-Gesellschaft träumt von der Drei-Minuten-Instant-Meisterschaft. Doch Reife braucht immer noch Zeit – und eigenes Bemühen. Ein Beispiel dafür ist der Weg von Regine Zopf. Heute ist die Sozialpädagogin und Reiki-Lehrerin auch spirituelle Malerin, Seminarleiterin und Channel von fünf Büchern, eines davon über die Natur von Reiki. Simone von Malsem hat sie besucht.



»Meditationen, Reiki, Channeling – all das darf keine Flucht vor der Realität sein«, betont Regine Zopf. Ihrer Erfahrung nach konfrontiert jede geistige Praxis den Menschen mit seiner eigenen Realität. Und auf jede geistige Erfahrung folgt die Frage nach der praktischen Anwendbarkeit im eigenen (!) Leben. Für Regine Zopf bedeutet »anwenden« etwa Malen, Bücher schreiben und Reiki lehren. Auf andere Menschen warten andere Anwendbarkeiten ihrer persönlichen Entwicklungsstufen – das wiederum kann ich aus ihrer eigenen Erfahrung bestätigen. Ich bin fasziniert von dem Weg der Regine Zopf und möchte meinen persönlichen Blickwinkel hier mit Ihnen, liebe/r Leser/in, teilen.

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»Es ist wichtig zu wissen, daß sich nichts automatisch auf eine höhere Stufe hinauf entwickelt«, stellt Regine Zopf grundsätzlich fest. »Wir müssen uns um Entwicklung bemühen, unser Aufsteigen muß gewollt, angestrebt und auch getan werden!« Jeder Stillstand auf diesem Weg ist sofort Rückschritt, doch ist die Ruhe nach der Aussaat keinesfalls ein Stillstand ... Für Regine Zopf ist es enorm wichtig, über den Weg einer spirituellen Entwicklung hinweg eine grundlegende Wahrheit vor Augen zu halten: Wir sind Menschen! Sich bewußt auf der Erde zu verwurzeln, schützt wortwörtlich vor dem geistigen Abheben, also vor Spinnerei.

Ein Meister ist ein Mensch ohne negative Muster

»Ein Meister,« so Regine Zopf, »das ist ein Mensch mit höchster spiritueller Entwicklung, jemand, der alle negativen Muster gelöscht hat und ein reiner Kanal für Lichtenergie ist.« Die Losgelöstheit der 43jährigen ist nach fast zwei Jahrzehnten regelmäßiger Meditation weit fortgeschritten, weit genug, um so viel innere Stille walten zu lassen, daß sie sich Channel (laut Lexikon: »Kanal für Geistwesen oder geistige Energien«) sein läßt. Wohlgemerkt: sein läßt, nicht macht, nicht danach giert, nicht ihr Ego damit aufputzt. Aber ein Meister? Die eingeweihte Reiki-Meisterin nennt sich selbst lieber »Reiki-Lehrerin« und trägt auch sonst keinen Meistertitel.

Wichtiger ist es für Regine Zopf, ein bewußter und kreativer Mensch zu sein. Als spirituelle Malerin sagt sie von sich: »Der Beginn war sehr schwierig für mich. Ich wollte malen und hatte dennoch den starken Gedanken, überhaupt nicht malen zu können.« Das Ringen darum, den Widerstreit zwischen der Gewißheit des inneren Gefühls und der gegensätzlichen Aussage des Verstandes zu erkennen und zu überwinden, prägt ihre Entwicklungsgeschichte.

»Alles wird gemacht durch den Verstand – außer Meditation«, sagt dazu ein Mensch, dessen Meisterschaft Regine akzeptiert. »Tu gar nichts«, fährt dieser Meister mit Namen Osho fort, denn: »Meditation bedeutet Klarheit des Sehens. Du kannst nicht darüber nachdenken. Du mußt das Denken fallenlassen.« Das Denken fallenzulassen bedeutet nun etwas anderes, als sich der untätigen Gedankenlosigkeit hinzugeben. In der Spannweite zwischen diesen beiden Polen suchte und sucht Regine ihren Weg.

Zu Beginn ihres Berufslebens studierte sie Sozialpädagogik. »Ich wollte Menschen helfen«, faßt sie diese Zeit zusammen, »aber in meiner Ausbildung fehlte mir immer etwas.« Dieses »Etwas« spiegelte sich für sie in dem Syndrom der »hilflosen Helfer«, in den zahlreichen gut ausgebildeten Profis, die anderen Menschen beistehen möchten und die vielfach ihr persönliches Leben kaum meistern können. »Ich war auf der Suche nach diesem fehlenden Etwas, danach, mich selbst zu heilen«, erinnert sie sich. Neben dem Studium las sie unzählige psychologische und spirituelle Bücher, beschäftigte sich mit Zen und unterzog sich verschiedenen Therapien. Alles mit dem Ziel, sich selbst gründlich kennenzulernen, das eigene Dasein intensiver zu verstehen, als es die gängigen Mittel der Verstandesarbeit erlauben.

1978 reiste sie das erste Mal nach Poona (Indien), viele weitere Besuche sollten folgen. Jedesmal lebte sie außerhalb des Ashrams von Baghwan Shree Ranjesh, der seit Ende der 80er Jahre »Osho« genannt wird. Jedoch besuchte sie den Ashram häufig, um verschiedene Meditationstechniken zu erlernen. »Osho war der erste, der erkannte, daß ein westlicher Mensch sich nicht einfach hinsetzen kann und still meditieren«, erinnert Regine sich an die vor allem für Anfänger hilfreiche Praxis, erst einmal ausgiebig und heftig zu tanzen, um sich dann bewußt und schrittweise von intensiver Bewegung in tiefe Ruhe zurückzuziehen.

Ihre lange Suche führte sie zu Reiki

Als ihre Suche 1986 zu Reiki führte, lagen bereits mehrere Jahre täglicher Meditation hinter ihr, ergänzt durch intensive Selbsterfahrung. Ursache für die spirituell bedeutungsvolle Begegnung mit Reiki waren erst einmal handfeste körperliche Phänomene. »Ich hatte Schwierigkeiten mit meinen Nasennebenhöhlen, die erst nach einer Reiki-Behandlung besser wurden«, beschreibt sie die Ereignisse. Der unerwartete Heilungserfolg inspirierte sie dazu, sich sogleich selbst dem I. Grad der energetischen Heilkunst anzuvertrauen. Zwei Jahre später folgte der II. Grad und schließlich 1991 die Meistereinweihung.

Im Jahr nach der ersten Einweihung gab sich Regine zusätzlich zur täglichen Meditation jeden Morgen Energie, heute arbeitet sie mit Reiki spontan und nach Bedarf: »Es ist immer gut, sich zuerst selbst die Hände aufzulegen, um so eigene Erfahrungen zu sammeln, bevor man Reiki einem anderen Menschen gibt.« Ebenso rät sie dazu, sich bewußt darin zu schulen, in Ruhe zu sein. Sich selbst Reiki zu geben stellt den Menschen vor die große Aufgabe, dem persönlichen Treibgut im Reiki-Fluß vertrauensvolle Aufmerksamkeit zu schenken. Das schafft die Möglichkeit, sich mit diesen unbewältigten Themen der eigenen Psyche liebevoll auseinanderzusetzen – sich also selbst zu heilen, bevor man andere Menschen heilt.

Sich mit der Stille anzufreunden bedeutet für Regine Zopf noch etwas anderes: nach der ersten spektakulären Zeit, wenn die Reiki-Wirkung überschäumt wie der unruhige Champagner, dessen Korken gerade zur Decke flog, die eintretende Ruhe als das zu akzeptieren, was sie ist: Ruhe, kein Nachlassen der Reiki-Kraft. »Die oft turbulenten Ereignisse nach der Einweihung sind nur eine Vorbereitung«, so die Reiki-Lehrerin, »seine eigentliche Wirkung entfaltet Reiki erst in der danach eintretenden Beruhigung.« Diese bedeutet nämlich nichts anderes, als daß jetzt die gröbsten Hemmnisse beseitigt sind und der Fluß nun ruhig einherströmen kann. »Reiki ist eine Energiegabe«, erklärt sie den Vorgang, »an diese ungewohnte Form der Nahrung muß sich das System Mensch erst gewöhnen, bevor Energie selbstverständlich fließen kann.«

In ihrem Fall stellte sich im Reiki-Fluß eine ungeahnte Klarheit ein: »Ich habe Oshos Worte über Meditation in völlig neuem Zusammenhang erfahren,« berichtet sie, »mit Reiki war ich eine wachere und entspanntere Beobachterin meiner Gedanken als je zuvor.« Unter dieser Voraussetzung begann zum Thema »Malen« eine lange, bewußte Beschäftigung mit der Verstandesstimme »Ich will« und deren siamesischem Zwilling »Ich kann nicht«. Aktiv durchgeführt wurde diese Auseinandersetzung mit allen therapeutischen Mitteln, die Regine bis dahin kennengelernt hatte. Begleitend nährte sie ihre Selbstentwicklung mit den Energiegaben von Reiki und zog sich in der Meditation immer wieder von der Verstandesarbeit in die Stille des puren Seins zurück.

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Geduld und stetige Bemühung führten schließlich zum Gelingen: Sie malt heute. »Die Unfähigkeit, die eigene Faszination zu leben, entstammt einem negativen Gedankenmuster. Dieses Muster läßt sich auflösen!« faßt sie den erfolgreichen Prozeß zusammen. Eine zentrale Stelle in ihrem Werk nehmen die 1992 entstandenen bildlichen Meditationen zu den sieben Chakren ein. Andere Gemälde zeigen intensiv farbige Impressionen des Durchscheinenden, des scheinbar Träumenden, des Beseelten unserer Natur.

Diese Werke sind spirituelle Bilder, die zu balancierten Anteilen aus Verstandesbemühung und aus tiefer, meditativer Stille heraus entstehen. Und aus dieser Quelle heraus verwirklicht Regine Zopf auch einen weiteren Aspekt ihrer Kreativität: ihre Autorenschaft von fünf Büchern. »Channeling« ist der gängige Begriff dafür, wie diese Bilder und Bücher entstehen. Für Regines Geschichte bedeutet dieses »Kanalsein« (so übersetzt sich der englische Begriff) den Übergang von der stillen zur handelnden Meditation.

Noch einmal Osho dazu: »Meditation schließt Handeln nicht aus. Es ist nicht so, daß du vor dem Leben flüchten müßtest. Meditation lehrt dich ganz einfach eine neue Art zu leben: Du wirst zum Zentrum des Hurrikans. Dein Leben geht weiter, es geht in Wirklichkeit viel intensiver weiter (...), doch du hältst Abstand.«

Geduld und stetige Bemühungen führten zum Gelingen

Ende der 80er Jahre bekam Regine zum ersten Mal zusammen mit einer engen Freundin Kontakt zu einem »Geistwesen«, wie sie es nennt. Sie bemerkte, wie die Antworten in ihrem eigenen, durch Reiki und jahrelange Meditationspraxis beruhigten Geist erklangen. Dabei war ihr zuerst recht unwohl: »Ich sorgte mich darum, ob ich zur Spinnerin geworden war.« Doch diese Fähigkeit zu hören war da und blieb. »Meine anfängliche Skepsis löste sich darin auf, daß sich dieser Kontakt so bedingungslos liebevoll und positiv anfühlte«, erinnert sie sich. »Dennoch sprach ich viele Jahre mit niemandem darüber, was ich erlebte.« Es begann ein erneuter Schulungsprozeß. Geleitet wurde er durch das Geistwesen, mit dem sie in Kontakt gekommen war. Alle bereits vollzogenen Selbstanalysen mußten noch einmal und auf einem anderen energetischen Niveau durch­laufen werden, Verstandesarbeit und meditative Stille wurden erneut sorgfältig ausgependelt.

»Channeln bedeutet für mich, sich absolut leer zu machen«, beschreibt Regine ihre Erfahrung. Regelmäßige Meditation ist dabei ein Muß, »sonst wird alles von der eigenen Ansicht verfärbt.« Auch achtet sie auf die Qualität ihrer Kontakte: »Verstorbene zu channeln ist für mich uninteressant. Ich will höhere Bewußtseinsstufen kennenlernen; denn die Wesen dort können, möchten und sollen uns lehren!« Annehmen kann diese Lehren allerdings nur der Mensch, der sein »Ja« zur eigenen Entwicklung immer wieder erneuert, sich bewußt und liebevoll einem fortwährenden Loslassen und Neubeginnen überantwortet.

Was sie auf dieser Basis schreibt – ein Buch über die Natur der Reiki-Energie, über Reiki als Weg zur Selbstvervollkommnung sowie Werke über Chakren, Energiekörper, den laufenden Wandlungsprozeß von Mensch und Erde sowie über Engel – bietet Stoff für eine zweite Story, die den Rahmen des Reiki Magazins sprengen würde. Für diesen Bericht soll nur einfach festgestellt werden: Es lohnt sich, den Weg spirituellen Wandels anzutreten, auch ohne gleich ein Meister sein zu müssen. Wichtiger ist es, sich selbst wahrzunehmen, sich selbst zu vertrauen.

Die vielbeschworene Selbstverwirklichung ist nur dann möglich, wenn ein Prozeß intensiver Selbsterkenntnis vorausgeht. Ein »Nebenprodukt« gelungener Selbsterkenntnis ist übrigens Selbstliebe, ein interessantes Werkzeug für uns Menschen. Forderte doch ein anderer Meister – dessen Kreuzestod gern als Aufforderung zu endlosem Leiden mißverstanden wird – schon vor langer Zeit: »Liebe Deinen Nächsten«. Vielfach übersehen bleibt der entscheidende Nebensatz: »WIE DICH SELBST.«




Der Titel des Artikels und die anderen Osho-Zitate stammen aus: »Osho - Das Buch der Frauen«, Heyne Verlag.


Copyright Fotos: Regine Zopf