Mein erster Kontakt mit Reiki


Von Patricio Asenjo


Ich lebte zu der Zeit in Stuttgart, als mir Reiki das erste Mal begegnete. Ich war in einer Partnerschaft, die gerade an einem Tiefpunkt angekommen war. Wir hatten oft Streit und waren nicht mehr glücklich miteinander. In dieser Zeit lasen wir in der Zeitung einen Artikel über Reiki. Meine Freundin war gleich so begeistert, dass sie sich sofort entschloss, an einem Kurs zum 1. Grad teilzunehmen. Voller Freude und sehr glücklich kam sie wieder nach Hause, und ich bekam gleich nach ihrem Kurs meine erste Reiki-Behandlung. Ich war sehr beeindruckt, musste weinen und fühlte mich tief aufgewühlt von der Energie. Aber aus irgendeinem Grund hatte ich überhaupt nicht die Absicht, selbst Reiki zu erlernen. Nicht dass ich kein Interesse hatte, sondern es war wie: „Das ist nichts für mich.“



Ein Massageseminar brachte mich zum Reiki-Kurs

Weil unsere Beziehung immer schlechter wurde, entschlossen wir uns, gemeinsam eine Gruppe mitzumachen. Sie sollte auf dem Land stattfinden und war ausgeschrieben als Massageseminar. Wir erlernten Massagetechniken, und gleichzeitig sollte man auch an sich selbst arbeiten, mit verschiedenen Methoden, Bodywork, Dynamische Meditation und ander Dinge. Es ging darum, sich selbst tiefer anzuschauen und sich von alten Mustern zu befreien durch Schreien, Weinen und Tanzen.

Ich war der einzige in der Gruppe, der nicht Deutsch sprechen konnte. Ich hatte immer verschiedene Personen, die für mich übersetzten. Am dritten Tag erzählten uns die Gruppenleiter, dass sie eine Reiki-Meisterin eingeladen hatten, uns von Reiki zu erzählen. Sie sagten, wer dann Interesse hätte, könnte zusätzlich zum Massagekurs noch Reiki erlernen. Sie selbst hatten auch Reiki gelernt und wären gespannt, wie sie diese Kombination unterstützen könnten. Meine ersten Gedanken waren: „Das will ich auf keinen Fall, ich möchte die Massagegruppe machen und bin nicht interessiert an Reiki.“

Dann kam die Reiki-Meisterin. Sie hieß Gerda Drescher und erzählte uns etwas über Reiki. Alle lagen auf dem Boden, und niemand hatte mehr Lust, für mich zu übersetzen. So verstand ich nicht viel und schlief einige Zeit. Am nächsten Morgen wurde dann gefragt, wer Reiki erlernen möchte, und fast jeder sagte: „Ich.“ Die, die es nicht sagten, hatten bereits einen Reiki-Kurs besucht. Ich war der einzige, der nicht Reiki erlernen wollte. Doch weil ich nicht die ganze Zeit nur im Wald rumlaufen wollte, während die anderen Reiki lernten, sagte ich dann doch ganz spontan zu.

Strahlende Gesichter nach der Einweihung

Ich war sehr überrascht, wie stark die anderen und ich selbst durch Reiki verändert wurden. Nicht die drei Tage harte Arbeit – Schreien, Weinen, Hüpfen und Loslassen – hatten uns strahlender und weicher aussehen lassen. Sondern wir gingen in diesen Raum zur Reiki-Einweihung, und nach fünf Minuten kamen wir alle mit anderen Gesichtern raus – ganz zart, offen und entspannt.

Ich fand es sehr seltsam, was dort in dem Raum passierte. Meine erste Reiki-Einweihung war sehr intensiv für mich. Ich hatte einen Einblick in mich selbst, in dem ich meine Arme sah, als Bild weit nach oben gestreckt, die Hände geöffnet wie eine aufgeblühte Blume. Mir kamen dabei Erinnerungen an eine Tarot-Karte. Sie heißt „Dankbarkeit“, und die Person auf der Karte sitzt genau so unter einem blühenden Kirschbaum. Dazu gibt es die Geschichte, dass die Frau auf der Suche gewesen war nach einer Unterkunft für die Nacht. Aber überall, wo sie angeklopft hatte, hatte sie niemand zu sich ins Haus gelassen. Dann machte sie einen Kirschbaum zum Nachtlager. Als sie um Mitternacht aufwachte, war sie überwältigt von der Schönheit, die sie umgab, und sie dankte den Leuten, die sich geweigert hatten, ihr Unterkunft zu geben. Denn sonst hätte sie diese Schönheit nie gesehen. Ich dachte: „Ja, genau so ist es mir auch ergangen.“

Nach der Einweihung wusste ich, dass sich mein Leben total verändern und Reiki einen großen Teil davon einnehmen würde. Ich konnte mir damals noch nicht vorstellen, wie das aussehen würde. Ich war voller Freude und Dankbarkeit, als ich den Reiki-Kurs und die Massagegruppe verlassen hatte.

Ich hatte das Gefühl, nach Chile zurückfliegen zu müssen

Wie aus heiterem Himmel wurde der Drang auf einmal ganz stark, nach Chile zurückzufliegen. Es war eine starke Energie in meinem Kopf und in meinem Körper. Da waren Gefühle, Dinge abzuschließen und zu klären. Ich sagte zu meiner Freundin: „Ich weiß überhaupt nicht warum, aber es gibt keine Wahl mehr, ich muß zurückfliegen.“

Meine Eltern holten mich vom Flughafen ab, nahmen mich in die Arme und erzählten mir, dass es meiner Großmutter gesundheitlich sehr schlecht gehen würde. So fuhren wir gemeinsam sofort ins Krankenhaus. Meine Großmutter hatte das stolze Alter von 93 Jahren, in den letzten drei Jahren hatten sich aber viele körperliche Leiden eingestellt. Mein Onkel, der Arzt ist, hatte ihr viele Tabletten verschrieben, die sie jeden Tag einnehmen musste.
 
Ihr Tisch war voller Dosen und Flaschen, die sie aber selbst nicht mehr sehen konnte, weil sie blind geworden war. Oft wachte sie nachts auf und schrie, weil sie glaubte, dass der Teufel sie zu sich holen wollte. Sie hatte sehr große Angst vor dem Sterben. Als ich sie besuchte, lag sie schon auf der Intensivstation. Sie war nur noch Haut und Knochen. Eine Maschine half ihr zu atmen, und sie hielt sich krampfhaft mit einer Hand am Bettlaken fest. Mich konnte sie kaum noch erkennen, als ich mit meiner Mutter näher kam. Sie fing an zu sprechen, aber wir konnten sie nicht mehr verstehen.

Mir blieb nur noch, ihr die Hände aufzulegen und ihr Reiki zu geben. Ich versuchte, ihr Vertrauen zu schenken, und sagte zu ihr: „Du hattest ein erfülltes Leben, und nun kannst du in Frieden gehen, wenn du möchtest.“ Meine Mutter blieb die ganze Nacht bei ihr und erzählte mir, dass sie das erste Mal wieder zu klarem Verstand gekommen war. Auf einmal konnte sie wieder entspannen und bekam einen friedlichen Gesichtsausdruck. Am nächsten Tag ist sie dann ganz ruhig eingeschlafen. Ich denke, Reiki hat ihr dabei geholfen und mir auch.

Ich war zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen

Meine zweite große Erfahrung, derentwegen ich unbedingt wieder nach Chile hatte zurückkommen müssen, machte ich schon ein paar Tage später. Ich traf einen Freund von meiner chilenischen Uni, mit dem ich eineinhalb Jahre zuvor eine Abschlussarbeit für unser Psychologiestudium begonnen hatte. Da ich mich aber spontan entschlossen hatte zu reisen, konnte ich die Arbeit nicht mit ihm fortführen. In der Zwischenzeit hatte er mit jemand anderem daran weitergearbeitet.

Er sagte: „Du könntest nicht mehr Glück haben, die Arbeit ist zu Ende gebracht und nächste Woche stelle ich sie vor. Du kannst also wieder einsteigen, wenn du möchtest, und sie mit präsentieren.“ Das war für mich ein großer Glücksfall, einfach wieder einsteigen zu können. Danach hatte ich dann mein Diplom als Psychologe in der Tasche.

Ich war genau zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen, und auch meine Freundin kam dann nach Chile gereist. Wir begannen, Reiki-Behandlungen zu geben, und immer mehr Leute wollten Reiki erlernen. Ich organisierte daraufhin die ersten Reiki-Kurse in Chile für den deutschen Reiki-Meister Jürgen Dotter (früher Drescher), und später bin ich sogar selbst einer geworden. Wer hätte das gedacht!



Patricio Asenjo, geb. 1960 im Süden von Chile. Psychologe und Reiki-Meister seit 1990. Liebt die Natur und lebt mit seiner Familie in den Bergen im Norden von Chile. Unterrichtet hauptberuflich Reiki in Argentinien und Chile.