„Takata war eine wundervolle Lehrerin ...“


Rick Bockner ist einer der 22 Reiki-Meister, die noch von Hawayo Takata eingeweiht wurden. In einem Interview, das unsere Redakteurin Simone Grashoff gemeinsam mit ihrem Kollegen Rolf Holm vom niederländischen Reiki Magazin geführt hat, spricht er von seinen Reiki-Erfahrungen und der Begegnung mit Frau Takata.




Reiki Magazin: In welcher Lebenssituation bist Du auf Reiki gestoßen?

Rick Bockner: Einer der Wendepunkte in meinem Leben war 1978, als bei meiner ersten Frau eine schwierige Schwangerschaft zur Notoperation führte und sie das Baby verlor. Danach suchten wir nach einem natürlichen Weg, um sie zu unterstützen. Wir hörten auf dem Weg nach Hause, dass eine japanische Frau in der Nachbarschaft sei, die einen Kurs unterrichtete, der mit Heilung zu tun habe. Es nannte sich „Händeauflegen“, und es sollte sehr erfolgreich sein.

So dachten wir: „Vielleicht kann sie uns helfen.“ Wir wählten die Telefonnummer, die wir von Freunden bekommen hatten, und es meldete sich Barbara Brown. In ihrem Haus hielt Frau Takata ihre Kurse ab. Meine Frau fragte, ob sie Reiki-Behandlungen bekommen könnte. Barbara antwortete: „Ich kläre das mit Frau Takata ab, aber ich mache ihnen keine Hoffnung, weil sie im Moment ziemlich beschäftigt ist und bald schon weiterreist.“ So war es dann auch, und ich dachte nicht weiter über Reiki und diese japanische Frau nach.


Das kam erst ein Jahr später, als ich mich sehr niedergeschlagen fühlte, weil wir uns getrennt hatten. Ich war an einem Wendepunkt in meinem Leben angekommen und wusste nicht, was ich als nächstes tun sollte. Alles war am Ende, und Frau Takata war wieder in der Nachbarschaft. Es ist seltsam, ich hatte nie daran gedacht, etwas mit Heilung zu erlernen. Ich war Musiker, arbeitete mit Holz und im Gartenbau. Alles Dinge mit meinen Händen, aber ich hatte niemals darüber nachgedacht, dass ich durch Berührungen mit meinen Händen Heilung hervorrufen könnte. Da ich in dieser aufgewühlten Stimmung war, gab mir ein Freund sein Auto und seine Kreditkarte, damit ich tanken und zu Abend essen konnte. Er sagte: „Fahr mit dem Auto einfach zu dieser japanischen Frau hin, denk nicht darüber nach, tu es einfach.“ Schließlich kam ich an dem Haus von Barbara Brown an, nicht wissend, was ich fragen oder sagen sollte.

Reiki Magazin: Wie war dann deine erste Begegnung mit Frau Takata?

Rick Bockner: Am Anfang war ein sehr, sehr klarer Traum, den ich über die erste Begegnung mit Frau Takata hatte. Den möchte ich gerne zuerst erzählen. Der Traum begann mit einem Grizzlybären, der auf mich zukam. Ich war ängstlich, dass ich mich nicht mehr bewegen könnte, um dem Bären auszuweichen. Aber er kam nicht auf mich zugelaufen, sondern ging mit seinem Kopf runter, stellte sich auf die Hinterbeine und hielt seine Pfoten hoch. Er hatte ein menschliches Gesicht, und er war so kraftvoll, dass ich auf den Boden gefallen bin vor Erstaunen. Ich folgte dem Bären durch den Wald zu einem kleinen Haus. In diesem Haus waren fünf starke, kraftvolle Frauen. Sie mussten nichts Magisches tun, sie wussten, dass sie wirklich Kraft hatten. Sie baten mir Tee und Kekse an, und wir unterhielten uns.

Ich schrieb aus diesem Traum ein Musikstück, und es war so voller Energie, dass das Lied in meiner Gegend extrem populär wurde, es war das Stück, das ich am häufigsten singen sollte. Genauso ereignete sich dann meine erste Begegnung mit Frau Takata ein paar Jahre später. Ich ging durch den Wald zu einem kleinen Haus, wo der Reiki-Kurs stattfinden sollte. In dem Haus waren fünf starke Frauen, alle Reiki-Meisterinnen (Hawayo Takata, Barbara Brown, Phyllis Furumoto, Beth Fay und Wanja Twan). Sie empfingen mich und baten mir Tee und Kekse an. Takata war sehr klein, hatte eine gute Körperhaltung, sehr aufrecht, mit 78 Jahren. Sie hatte eine Menge Eisen in sich, wenn ihr versteht, was ich meine. An einem Punkt während des Seminars, als ich neben ihr saß und lauschte, was sie sagte, drehte sie sich zu mir und schaute mich direkt an, hob ihre Hände ­– genau wie der Bär – und sagte: „Reiki!“ Sehr kraftvoll!

Reiki Magazin: Was hat Frau Takata zu deinem Traum gesagt?

Rick Bockner: Ich war so angetan, als ich realisierte, dass mein Traum Wirklichkeit geworden war. Ich spürte meine Nerven im Rücken und bekam das Gefühl, als ob alle Haare anfingen sich aufzustellen. Ich ging so zu Frau Takata und erzählte ihr von meinem Traum, dass es ein Wunder für mich war und dass ich mich fühlte, als ob ich Reiki weitergeben sollte. Sie schaute mich an und sagte: „Du bist ein ehrgeiziger Mann.“ Und ich antwortete: „Nun, ich weiß nicht, ob ich das bin oder nicht. Aber ich weiß, daß es wichtig ist für mich.“ Jetzt im Rückblick denke ich, dass sie sich bewusst war, dass sie nicht mehr allzulange leben würde und dass sie Reiki in guter Ordnung hinterlassen wollte. Deshalb gab sie mir an dem Wochenende den ersten und den zweiten Grad.



Reiki Magazin: War das sehr ungewöhnlich?

Rick Bockner: Den ersten und den zweiten Grad auf einmal hintereinander, das war sehr ungewöhnlich. Ich denke, sie wollte noch viel mit mir arbeiten, und viel Zeit war nicht mehr. Sie sprach auch noch mit den anderen MeisterInnen darüber, und so brachte sie mich auf den schnellen Weg. Über die nächsten Jahre nahm ich an vielen Kursen von ihr teil, und sie arbeitete mit mir. Ich fing an, mit vielen Menschen Reiki zu praktizieren und sammelte viele Erfahrungen.



Reiki Magazin: Wie bist Du Reiki-Meister geworden?

Rick Bockner: Es war einige Zeit vergangen, und ich hatte eine neue Beziehung. Wir erwarteten gerade ein Kind, als Frau Takata mir schrieb, dass sie kommen würde. Wir lebten zu der Zeit in einem Zelt. Ich hatte das Geld für meine Meisterschaft noch nicht beisammen. Sie sagte: „Bringe mir eine Klasse zusammen und du kannst dein Honorar davon abziehen.“

Ich schrieb einen Brief und sagte darin, dass ich diese unglaubliche Lehrerin getroffen hatte, und erzählte von meinen Erfahrungen. „Sie kommt bald hierher und unterrichtet etwas, das Reiki genannt wird“, waren meine Abschlussworte. Ich sandte 75 Briefe an Freunde und Menschen in meiner Gegend. Sage und schreibe 60 Leute kamen zum Seminar. Der Kurs fand am Erntedankfest statt, und Frau Takata war sehr überrascht über die Größe der Klasse. Es war eine wunderbare Zeit. Danach unterrichtete sie noch einige Kurse. An den Abenden arbeitete ich an ihr mit Reiki und half ihr als „Fürsorgeengel“. Sie weihte mich zu diesem Zeitpunkt als Meister ein, das war 1980, genau drei Monate, bevor sie starb.

Reiki Magazin: Waren die Ausbildungen zum Reiki-Meister unterschiedlich?

Rick Bockner: Ja, weil jede Person ein ganz persönliches Geschenk hat. Und die Art, wie sie am besten unterrichten kann, ist, wie sie ihr Geschenk wiedergeben kann durch die Reiki-Energie. Wanja und ich haben viel zusammen unterrichtet und haben eine Menge Zeit dafür aufgebracht, um mit anderen über Reiki zu sprechen. Aber unsere besonderen Geschenke mit Reiki sind sehr unterschiedlich. Wenn Wanja mit Leuten arbeitet, sieht sie Dinge, und sie hat gelernt, ihre Visionen für die Person zu interpretieren.



Ich dagegen neige dazu, aus dem Herzen und dem Gefühl heraus zu arbeiten, einem Ort des Mitgefühls, und versuche, damit den Leuten zu helfen, ihre Ängste loslassen zu können und Verantwortung für ihr eigenes Wohlergehen zu übernehmen. Ganz wichtig ist für mich auch die Musik, die mir sehr nahe steht und mit der ich Menschen näher erreichen kann.

Reiki Magazin: Wie hat Frau Takata unterrichtet?

Rick Bockner: Sie war eine wundervolle Lehrerin, beinahe wie ein strenger Zen-Lehrer, der während der Meditation umhergeht und den Personen, die am Einnicken sind, einen kleinen Schlag versetzt, zur Erinnerung, wieder bewusst zu sein. Sie machte kein Affentheater. Du sitzt, du hörst zu, du schreibst nichts auf, du machst keine Notizen. Sie wollte, dass du beobachtest und zuhörst. Die mündliche Überlieferung von Reiki war ihr sehr wichtig.

Die Geschichten, die sie erzählte, waren Lektionen über die verschiedenen Positionen. Wenn sie zum Beispiel die Position am Hals demonstrierte, dann erzählte sie eine Geschichte über einen Mann, der Speiseröhrenkrebs gehabt hatte und dessen Familie regelmäßig an ihm im Krankenhaus praktiziert hatte. Er hatte den Tod erwartet, aber er überlebte und war innerhalb von drei Wochen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden. Danach füllte sich Frau Takatas gesamte Veranda mit Orchideen, als Geschenk und Dankeschön.

Sie hatte für jede Position eine Geschichte. Das war die Art zu unterrichten. Am Ende der Behandlung, wenn jemand sagte: „Danke, du bist wundervoll, wie du das gemacht hast“, war ihre Antwort: „Danke nicht mir, sondern danke Reiki. Wenn du es gemocht hast, was du bekommen hast, dann nimm es mit in die Welt und gib es zurück.“

Reiki Magazin: War Sie ein geduldiger Mensch?

Rick Bockner: Sie hatte Geduld, aber sie war auch streng. Und weil die Achtung für Reiki ihr so wichtig war, ließ sie nichts zu, was es billiger erscheinen ließ oder respektlos war. Wenn du mit Reiki arbeitest, dann arbeitest du mit heiliger Energie, und in diesem Sinn hast du dann auch zu handeln. Das war sehr, sehr wichtig für sie. Wenn sie nicht gefühlt hat, dass jemand angemessenen Respekt für Reiki hatte, dann hat sie ihn nicht unterrichtet. Sie würde dir sagen, dass du fortgehen sollst und erst zurückkommen kannst, wenn du es verstanden hast.

Reiki Magazin: Oh wirklich, so direkt hat sie gesprochen?

Rick Bockner: Ja, wenn sie fühlte, dass jemand – wie sie es nannte – ein Bettler war, dann wurde sie ärgerlich. Ein „Bettler“ war für sie eine Person, die etwas für umsonst wollte, die nicht gewillt war, etwas zu geben für das, was sie bekommen würde. Sie hatte viel Temperament beim Unterrichten. Sie erwartete von uns, mit unserer ganzen Aufmerksamkeit dabeizusein. Das ist etwas, was ich in der heutigen Zeit vermisse. Viele sind nur noch nett und nicht mehr so direkt. Dadurch geht diese bestimmte Art der Haltung zu dem Geschenk Reiki, was wir in unseren Händen halten, verloren.

Reiki Magazin: Wie hast du Frau Takata in ihrer Einstellung zum Geld erlebt – und wie ist deine eigene Erfahrung damit?

Rick Bockner: Sie sagte immer, Reiki bringt dir Gesundheit, Glück, Erfolg und ein langes Leben. Sie meinte damit den spirituellen Wohlstand, aber sie wollte die Menschen auch wissen lassen, dass, wenn man sich materiellen Wohlstand wünscht, Reiki auch weiterhelfen wird. Reiki wird dir das bringen, was du brauchst.

Ein Teil von ihrem Nachdruck lag auf dem Respekt und der Verpflichtung, Geld zu bezahlen. Sie sagte, wenn du Reiki weggeben würdest, dann würden die Leute es nicht respektieren, weil sie nicht dafür arbeiten müssten. Das ist eine spirituelle Sache, und ich habe erst in der letzten Zeit angefangen, das zu verstehen. Das war eine große Lektion für mich. Damals lebte ich in sehr einfachen Umständen. Ich bin ein Produkt der 60er Generation, darum hatte ich dieses gemeinschaftliche „Lasst uns alles teilen“ als Vision. Geld war etwas, bei dem wir immer den Grund des Bösen fühlten, die Wurzel des Übels.

Frau Takata wollte, dass wir verstehen, dass Reiki uns dort hinbringt, wo wir es brauchen, und zu dem, was wir uns am meisten wünschen. Wenn du zum Beispiel den 2. Grad bekommen wolltest und nicht das Geld dafür hattest, dann sagte sie: „Es wird kommen, wenn du dich für ein Wunder öffnest.“ Für mich war es so: Als ich Reiki-Meister werden wollte, hatte ich überhaupt kein Geld. Aber als der Moment gekommen war und mein Wunsch ganz groß war, habe ich in nur zweieinhalb Monaten 10.000 US-Dollar zusammen bekommen. Ich hatte niemals vorher so etwas erlebt. Sie versuchte mir zu zeigen, dass ich es tun kann, auch wenn ich ein Hippie war. Ich lerne immer noch an diesen Dingen von ihr.

Reiki Magazin: Kannst du uns noch eine Geschichte dazu erzählen?

Rick Bockner: Einmal behandelte sie einen General bei der Armee. Er war Alkoholiker, und eines Abends hatte er mal wieder zuviel getrunken. Am nächsten Morgen sollte er zu einem wichtigen Arbeitstermin, bei dem er gemustert werden sollte. Natürlich war er sehr ängstlich deswegen, weil er sich schrecklich fühlte und auch so aussah. In seiner Verzweiflung rief er Frau Takata an und sagte: „Ich hörte, dass Sie einen Kater auskurieren können.“ Sie sagte: „Ja, kann ich.“ Und so ließ er sich behandeln. Seine Kopfschmerzen waren überwunden, und er fühlte sich sehr viel besser. Seine Farbe im Gesicht war zurückgekehrt, und er hatte keine Tränensäcke mehr unter den Augen. Als er sie fragte, wieviel er Frau Takata schulden würde, antwortete sie: „150 Dollar, soviel, wie du ausgegeben hast, um diesen Kater zu bekommen.“ Das war in den 50er Jahren sehr viel Geld. Es ging ihr eigentlich nicht um das Geld, sondern er sollte einsehen, dass er an seinem Weg etwas ändern müsste.

Reiki Magazin: Hörst du manchmal ihre Stimme noch?

Rick Bockner: Oh ja, ich sehe sie und höre ihre Stimme. Wenn ich unterrichte und vor Schülern sitze, die mich nicht kennen und ich sie nicht. Mein Magen ist dann ein bisschen nervös, und er fühlt sich an, als hätte ich Schmetterlinge im Bauch. Dann nehme ich mir einen Moment Zeit und frage innerlich Frau Takata und die anderen GroßmeisterInnen. Wenn ich dann nach einigen Minuten anfange zu sprechen, geht alles glatt, und ich realisiere, dass sie da sind und ich mich nicht mehr sorgen muss. Ich weiß dann genau, was für diese Gruppe zu sagen ist. Denn jede Gruppe ist verschieden und hat ihren eigenen Fluss. Also bitte ich auf diese Weise um Beistand.

Reiki Magazin: Glaubst du, dass die Körperarbeit bei Reiki das Wichtigste ist?

Rick Bockner: Jeder möchte die Körperarbeit perfekt machen, das scheint die wichtigste Sache zu sein. Aber die größte Sache ist meiner Meinung nach, dass Reiki so groß ist, dass wir es nicht verstehen können. Wir werden niemals verstehen, worum es geht. Ich sorge mich nicht darum, wie es arbeitet. Es ist, als ob ich eine Kugel festhalte, um hineinzuschauen: Du wirst immer wieder etwas anderes sehen. Was wir also machen können, ist, einfach die Kugel zu halten und reinzuschauen und dann zu sehen, was kommt, und zu vertrauen.

Wenn ich mehr lernen muss, dann werde ich es von Reiki lernen. Ich praktiziere Reiki nun 22 Jahre lang, und ich realisiere, dass die Körperarbeit der einfachste Teil von Reiki ist. Es ist der Teil, der von allen nach einem Seminar erfolgreich praktiziert werden kann. Aber später kommen neue Erfahrungen dazu. Ich hatte kurz nach dem Erlernen von Reiki plötzlich die Gabe bekommen, automatisch zu schreiben. Ich konnte meine Augen schließen und Dinge aufschreiben, die Leute wissen wollten. Wenn so etwas passiert, sind das für mich ganz besondere Momente im Leben, die mich immer wieder überraschen.

Reiki Magazin: Vielen Dank, Rick, für das interessante Gespräch und dafür, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

 

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